Die Rolle des VFA-Agenten (Malta)

Die mal­te­sis­che Regierung hat kür­zlich mit der Ein­führung des Vir­tu­al Finan­cial Asset Acts für Auf­se­hen gesorgt. Liest man sich den bere­its beschlosse­nen, aber aktuell noch nicht (per Mitte Sep­tem­ber 2018) in Kraft getrete­nen Geset­zes­text durch, so wird klar, dass es eine Art Kon­troll­sys­tem geben muss, damit dieses Gesetz effek­tiv exeku­tiert wer­den kann.

Es benötigt eine eigene Instanz bzw. Organ­i­sa­tion, welche sich­er­stellt, dass Unternehmen, die Kun­den hin­sichtlich der jew­eili­gen Token-Art bzw. Kryp­towährun­gen berat­en, auch kom­pe­tent, qual­i­fiziert und gewis­senhaft arbeit­en.

Sicher­lich ist dies der Grund, warum der mal­te­sis­che Geset­zge­ber im gel­tenden Geset­zes­text vor­sah, einen soge­nan­nten VFA (Vir­tu­al Finan­cial Assets) Agent einzuführen. Dieser soll als eine Art „Ver­mit­tler“ zwis­chen den poten­ziellen Kun­den und der „zuständi­gen Behörde” (in diesem Fall der Mal­tese Finan­cial Ser­vices Author­i­ty, kurz MFSA) agieren.

Zwar ist es immer die Auf­gabe und Ver­ant­wor­tung des Unternehmens, welche sich um eine VFAA-Lizenz bewirbt, dass alle vorgelegten Doku­mente voll­ständig und wahrheits­ge­treu sind. Doch es obliegt dem VFA-Agen­ten, dem Antragssteller dabei detail­lierte Hin­weise und Beratung zu bieten. Darum soll in diesem Artikel kurz auf die Rolle des vorgeschla­ge­nen VFA-Agen­ten einge­gan­gen wer­den. Sie erfahren außer­dem, wie Sie Vertreter von Dr. Wern­er & Part­ner bei der Organ­i­sa­tion eines Ini­tial Coin Offer­ings (ICOs) und der Platzierung von Token an ein­er DLT-Börse opti­mal unter­stützen kön­nen.

Die Merkmale des VFA-Agenten.

Zunächst ist anzumerken, dass sich nur ein eingeschränk­ter Kreis von Organ­i­sa­tio­nen bzw. Per­so­n­en für den Sta­tus als „VFA Agent“ qual­i­fiziert. Tat­säch­lich enthält das Gesetz explizite Anforderun­gen, die ein solch­er Vertreter erfüllen muss: so kann

  1. a) nur eine Per­son als VFA-Agent agieren, die bei der zuständi­gen Behörde nach diesem Gesetz reg­istri­ert und zur Ausübung ein­er der fol­gen­den Berufe zuge­lassen ist:
  2. b) Recht­san­walt, Buch­hal­ter oder Wirtschaft­sprüfer; oder
  3. c) eine Kan­zlei von Recht­san­wäl­ten, Buch­hal­tern oder Wirtschaft­sprüfern oder Unternehmens­di­en­stleis­tern; oder
  4. d) eine Recht­sor­gan­i­sa­tion, die sich zu 100 % im Besitz und unter der Kon­trolle von Per­so­n­en befind­et, auf die in den Absätzen a) oder b) Bezug genom­men wird

Im let­zten Teil der Def­i­n­i­tion wird jedoch von „jed­er anderen Per­so­n­en­gruppe” („any oth­er class of per­sons“) gesprochen, was eine gewisse Flex­i­bil­ität und Spiel­raum zu bieten scheint. Inwieweit andere „Per­so­n­en” über die notwendi­gen Erfahrun­gen und Qual­i­fika­tio­nen ver­fü­gen, ist allerd­ings noch nicht abse­hbar.

Welche Erwartungen an einen VFA-Agenten gestellt werden

Der Geset­zes­text sieht weit­er vor, dass ein VFA-Agent eine „geeignete und angemessene” Per­son sein und ihren Wohn­sitz in Mal­ta haben muss. Wenn der Agent eine Gesellschaft sein wird, muss er entwed­er eine mal­te­sis­che Gesellschaft sein oder, wenn er eine nicht-mal­te­sis­che Gesellschaft ist, muss er über eine Nieder­las­sung in Mal­ta tätig sein.

Artikel 7 Absatz 1 des vorgeschla­ge­nen Geset­zes besagt, dass ein Emit­tent einen VFA-Agen­ten ernen­nen muss. Dieser VFA-Agent muss bei der MFSA als solch­er reg­istri­ert sein und dem Antragssteller zu jed­er Zeit zur Ver­fü­gung ste­hen. Dabei sind die Verpflich­tun­gen des VFA-Agen­ten sehr umfan­gre­ich. Diese umfassen die Vor­lage aller rel­e­van­ten Doku­mente und Infor­ma­tio­nen an die MFSA (Art. 7(1)(d), die Offen­le­gung aller notwendi­gen Infor­ma­tio­nen an die Behörde (Art. 7(1)(e) und die Unab­hängigkeit vom Emit­ten­ten (Art. 7(1)(f) — was im Wesentlichen bedeutet, dass der VFA-Agent kein Mitar­beit­er der/des Emit­tentin sein sollte).

Ziel der let­zteren Bes­tim­mung ist es, sicherzustellen, dass die Fähigkeit des Agen­ten, unab­hängige pro­fes­sionelle Erk­lärun­gen abzugeben, niemals beein­trächtigt ist.

Weit­ers wird erwartet, dass der VFA-Agent alle Arbeit­en und Anträge jährlich über­prüft und gle­ichzeit­ig die Vor­lage des Com­pli­ance-Berichts sich­er­stellt (dieser wird jedoch von den Betreibern der DLT-Plat­tform auf­bere­it­et und zusam­mengestellt).

Der „Financial Instruments‘“-Test

Aus prak­tis­ch­er Sicht beste­ht die Haup­tauf­gabe des VFA-Agen­ten darin, den „Finan­cial Instru­ments‘ Test“ durchzuführen. Mit diesem Test wird eine genauere Kat­e­gorisierung des zu behan­del­nden Ver­mö­genswertes vorgenom­men. Der „Test” geht auf Artikel 47 des Geset­zes zurück, der für Emit­ten­ten, VFA-Agen­ten und Lizen­znehmer anwend­bar ist. Das Ergeb­nis des Testes kann die Ein­stu­fung eines DLT-Ver­mö­genswerts als elek­tro­n­is­ches Geld, Finanzin­stru­ment, virtueller finanzieller Ver­mö­genswert oder virtueller Token sein. Artikel 47 schreibt weit­ers vor, dass der Test bere­its vor der Ein­re­ichung eines Whitepa­pers an die zuständi­ge Behörde oder dem Anbi­eten eines VFA-Ser­vices erfol­gen muss.

Wie der VFA-Agent “Sicherheit” geben kann

Natür­lich ist dieser Test in erster Lin­ie dafür da, die in der Blockchain-Szene aktuell vorherrschende Unsicher­heit zu beseit­i­gen. Da Mal­ta dieses Prob­lem erkan­nt hat, und Unternehmen mehr Klarheit bieten möchte, führt es im Wesentlichen eine “Formel” ein, die bes­timmt, ob es sich bei einem Token um einen virtuellen finanziellen Ver­mö­genswert (Vir­tu­al Finan­cial Asset) han­delt. Dabei kön­nte ein Token in eine von 3 möglichen Ein­stu­fun­gen fall­en. Der Token kön­nte

  1. möglicher­weise als „Wert­pa­pi­er” eingestuft wer­den, das den lokalen/ EU-Vorschriften für Wert­pa­pier­di­en­stleis­tun­gen unter­liegt (z.B. Mifid-Richtlin­ien);
  2. in gewiss­er Weise ein „Hybrid” sein und hätte somit sowohl Aspek­te ein­er „Investi­tion” oder eines „Geldes”; oder
  3. keines der bei­den vor­ange­hend genan­nten sein.

Sobald der VFA-Agent also fest­gestellt hat, welche Art von Token mit dem ICO einge­führt wird, muss er sich auch mit dem fol­glich anwend­baren Recht befassen. Eine weit­ere Haup­tauf­gabe des VFA-Agen­ten ist es, den Her­aus­ge­ber des „Whitepa­pers” bei der Ein­hal­tung des Geset­zes und der Ein­hal­tung aller Anforderun­gen zu unter­stützen.

In Anbe­tra­cht dessen wird sich der VFA-Agent in erster Lin­ie mit zwei “großen” Bere­ichen befassen, näm­lich (i) der Organ­i­sa­tion und Aus­gabe eines Ini­tial Coin Offer­ing (ICO) und (ii) der Platzierung eines Token an ein­er DLT-Börse.

Rolle des VFA-Agenten gegenüber der MFSA

Bes­timmt wird die MFSA den VFA-Agen­ten als Anlauf­stelle nutzen, die alle mit den Ver­mö­genswerten und dem DLT-Mod­ell erforder­lichen Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar hal­ten muss. Schließlich wird es zu Inspek­tio­nen und Über­prü­fun­gen durch ver­schiedene Reg­ulierungs­be­hör­den kom­men. Es liegt auch an dem VFA-Agen­ten, bei jedem neuen „Pro­jekt” eine gründliche Due Dili­gence durchzuführen. Es reicht nicht aus, wenn der Agent bloß seine Sorgfalt­spflicht „wahrn­immt“. Er muss tat­säch­lich alle rel­e­van­ten Infor­ma­tio­nen sam­meln und offen bleiben, was das Geschäftsmod­ell des Emit­ten­ten bet­rifft, welch­es der MFSA vorgeschla­gen und vorgelegt wird.  Darüber hin­aus ist die MFSA befugt, auf Ad-hoc-Basis Richtlin­ien zu erlassen, die sich­er­stellen, dass die Agen­ten Reg­ulierungs­befug­nis­sen unter­liegen.

Der VFA-Agent wird sicher­lich der PMLFTR (The Pre­ven­tion of Mon­ey Laun­der­ing and Fund­ing of Ter­ror­ism Reg­u­la­tions) unter­liegen, da diese mit der Erteilung ein­er von der MFSA aus­gestell­ten Lizenz durch den Agen­ten ein­herge­ht (und wie jed­er andere Betreiber auch hat die Behörde die Befug­nis, diese entsprechend abzuerken­nen, auszuset­zen oder abzulehnen). In diesem Zusam­men­hang kann man mit Sicher­heit sagen, dass die VFA-Agen­ten reg­ulierte Per­so­n­en­grup­pen sein wer­den.

Übergangsbestimmungen für den VFA-Agenten

Artikel 62 des VFAA befasst sich mit den Über­gangs­bes­tim­mungen für VFA-Agen­ten. Hierzu ist fol­gen­des zu beacht­en: vor­läu­fig, also bis das Gesetz in Kraft tritt, kön­nen zukün­ftige „Agen­ten“ auch ohne Lizenz auskom­men.

Wenn das Gesetz schließlich in Kraft tritt [es wird erwartet, dass die Geset­ze im Okto­ber in Kraft treten wer­den], haben Per­so­n­en, die bere­it sind, als VFA-Agen­ten zu fungieren, einen Monat Zeit, um eine Lizenz bei der MFSA zu beantra­gen. Wichtig ist, dass der „physis­che” Antrag selb­st inner­halb eines Monats ein­gere­icht wird.

Fazit

Im Wesentlichen beste­ht die Rolle des VFA-Agen­ten darin, den Prozess der Beantra­gung eines ICO-Pro­jek­ts oder der Platzierung eines Token an ein­er Börse zu beschle­u­ni­gen. Ein Unternehmen kann sich beim VFA-Agen­ten kom­pe­tente Beratung ein­holen, bevor es sich an die zuständi­ge Behörde wen­det. Dies kön­nte sicher­lich ein großer Vorteil für die Branche sein, bedeutet aber auch, dass der VFA-Agent immer mit den Per­so­n­en, den organ­isatorischen Ele­menten des Emittenten/Produkts und let­ztlich mit dem vorgelegten Busi­ness­plan zufrieden sein muss. Let­z­tendlich obliegt es dem VFA-Agen­ten auch, sich entsprechend mit der MFSA in Verbindung zu set­zen.

Schließlich ist der „Zweck” dieser ganzen Verord­nung der Schutz des öffentlichen Inter­ess­es, da diese „Per­son” sicher­lich als „Pfört­ner” für Anträge fungieren wird, bevor sie zur MFSA geht. Dieser „Aspekt” wird dem Zweck der Effizienz sehr dien­lich sein.

Hier bei Dr. Wern­er & Part­ner sind unsere qual­i­fizierten Mitar­beit­er gerne bere­it, als Ihre per­sön­lichen VFA-Agen­ten zu fungieren und Sie bei der Erstel­lung Ihrer Businesspläne/Anträge gemäß der lokalen Geset­zge­bung zu unter­stützen. Sie kön­nen uns jed­erzeit kon­tak­tieren, um ICOs, Token Gen­er­a­tion Events oder son­stige Ideen zu Blockchain-Pro­jek­ten zu besprechen. Schreiben Sie uns hier­für ein­fach eine E-Mail an info@drwerner.com.

Haf­tungsauss­chluss*

Der oben genan­nte Artikel basiert lediglich auf unab­hängi­gen Recherchen von Dr. Wern­er und Part­ner und kann keine Rechts­ber­atung darstellen. Wenn Sie sich mit einem unser­er Vertreter tre­f­fen möcht­en, um weit­ere Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, kon­tak­tieren Sie uns bitte um einen Ter­min zu vere­in­baren.

 

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