STO Security Token — Ausführlicher Guide

Secu­ri­ty Token Offer­ings – „STOs“ – sind aktuell eines der heißesten The­men in der Blockchain-Szene. Manche Experten behaupten gar, dass sie „The Next Big Thing“ wären und prophezeien, dass sie ICOs bald in Anzahl und Investi­tionsvol­u­men ver­drän­gen wür­den. Aber stimmt das auch? Oder han­delt es sich dabei mehr um einen Hype als Real­ität?

Tat­säch­lich über­legen immer mehr Start-ups und auch größere Unternehmen, einen STO durchzuführen? Einiges spricht dafür, allerd­ings auch manch­es dage­gen. Zudem ist das Feld noch sehr neu und jung, sodass rechtliche Sicher­heit und klare Prozesse kaum vorhan­den sind

Auch wir sind überzeugt, dass Secu­ri­ty Token Offer­ing in den kom­menden Wochen und Monat­en die Blockchain-Szene von Grund auf verän­dern wer­den. Deswe­gen haben wir uns entsch­ieden, nach unser­er let­zten Serie über Kryp­to-Exchanges dies­mal einen län­geren Beitrag dem auf­streben­den Bere­ich der Secu­ri­ty Tokens und STOs zu wid­men.

Bevor wir allerd­ings Secu­ri­ty Token Offer­ings näher definieren, von anderen For­men der Kap­i­talbeschaf­fung abgren­zen und die Vorge­hensweise bei einem STO beschreiben, müssen wir zunächst ein­mal besprechen, worum es sich bei einem Secu­ri­ty Token han­delt.

Moment mal – „STOs“…Was ist eigentlich ein Security Token?

Der Unter­schied zwis­chen einem ICO und einem STO liegt in der Art des Tokens, der von einem emit­tierten Unternehmen aus­gegeben wird. Der Begriff des ICOs gibt keinen direk­ten Auf­schluss darüber, welch­er Token aus­gegeben wird. Zumeist han­delt es sich dabei allerd­ings um einen Util­i­ty Token. Ein Util­i­ty Token dient als alleiniges Zahlungsmit­tel auf der Plat­tform des betrof­fe­nen Unternehmens. Kun­den zahlen für den Kon­sum von Leis­tun­gen mit dem Token, während Leis­tungsan­bi­eter in dem Util­i­ty Token der Plat­tform bezahlt wer­den. Wichtig: der Erwerb von Util­i­ty Token ist nicht mit dem Erwerb von Recht­en oder Pflicht­en ver­bun­den, es han­delt sich um kein Finanzin­stru­ment. Bei einem Secu­ri­ty Token Offer­ing wird, wie der Name bere­its ver­rät, ein Secu­ri­ty Token her­aus­gegeben.

Ein Secu­ri­ty Token entste­ht durch die Tokenisierung von bes­timmten Recht­en, etwa dem Anspruch an eine Zin­szahlung oder die Rück­zahlung eines Dar­lehens. Weil es zur Ver­briefung von Recht­en kommt, stellt der Secu­ri­ty Token ein Finanzin­stru­ment bzw. ein Wert­pa­pi­er (also eine Secu­ri­ty) nach der jew­eils nationalen Geset­zge­bung des Lan­des, in dem der Secu­ri­ty Token aus­gegeben wird, dar. Die Aus­gabe eines Secu­ri­ty Tokens wird als Secu­ri­ty Token Offer­ing – STO – beze­ich­net. Der Begriff des STOs hat sich in den let­zten Wochen und Monat­en etabliert, weil immer mehr Unternehmen und Ven­ture Cap­i­tal Fir­men einen STO als attrak­tive und gün­stige Alter­na­tive zu einem ICO betra­cht­en.

Vorteile von Security Tokens

Alles hat bekan­ntlich Vor- und Nachteile, dies gilt auch für Secu­ri­ty Tokens. In der aktuell etwas gehypten Diskus­sion wer­den die Vorteile aus­führlich betont, allerd­ings darf man auch die Nachteile dieser Token-Art nicht außer Acht lassen.

Ein großer Vorteil ist, dass Secu­ri­ty Token eine erhöhte Com­pli­ance mit rechtlichen Anforderun­gen bieten. Dies ist let­z­tendlich für Inve­storen, durch­führen­des Unternehmen und Auf­sichts­be­hör­den von Vorteil. In vie­len Län­dern sind Auf­sichts­be­hör­den momen­tan primär reak­tiv und ver­brin­gen viel Zeit damit, ein­gere­ichte oder am Markt existierende ICOs hin­sichtlich deren Com­pli­ance mit gel­tenden Vorschriften zur Durch­führung von Kap­i­talbeschaf­fungs­maß­nah­men zu über­prüfen. Denn meist fehlt es noch an einem klaren rechtlichen Rah­men­werk für ICOs, wie es etwa Mal­ta bere­its entwick­elt hat, um festzustellen, ob es sich bei einem Token um Util­i­ty Token oder doch Secu­ri­ty Token han­delt. Da Smart Con­tracts (siehe später­er Abschnitt zu Smart Con­tracts) ermöglichen, Geset­ze und Regeln in Code zu schreiben und diese automa­tisch umzuset­zen, kön­nen Auf­sichts­be­hör­den durch Vor­gabe von Richtlin­ien proak­tiv die Ein­hal­tung von gülti­gen Bes­tim­mungen sich­er­stellen. So ist es etwa möglich, per Smart Con­tract zu gewährleis­ten, dass Token nur an zuvor durch KYC-Prozesse zuge­lassene Inve­storen und deren Wal­let-Adressen über­tra­gen wer­den kön­nen. Außer­dem kön­nen auch bes­timmte Hal­te­fris­ten in Smart Con­tracts ein­pro­gram­miert wer­den, sodass Token nicht vorzeit­ig verkauft wer­den kön­nen.

Die Aus­gabe eines Secu­ri­ty Tokens ermöglicht soge­nan­nte „frac­tion­al own­er­ship“, was man als „Bruchteil­seigen­tum“ beze­ich­nen kön­nte. Weil ein zugrunde liegen­der Wert in eine Vielzahl von Token unterteilt wird, prof­i­tieren aus­gebende Unternehmen von ein­er erhöht­en Liq­uid­ität und einem viel größeren Kreis an poten­ziellen Inve­storen. Der große Kreis an poten­ziellen Inve­storen und meist geringe Min­des­tin­vesti­tion­ssum­men bedeuten für das Unternehmen wiederum höhere Liq­uid­ität, weil Token leicht verkauft und gekauft wer­den kön­nen. Mit einem geeigneten Mar­ket­ing kann das Unternehmen mehr Kap­i­tal von einem größeren Inve­storenkreis lukri­eren.

Auch für Anleger sind Secu­ri­ty Token äußerst attrak­tiv. Prak­tisch jed­er inter­essierte Anleger weltweit, der über einen Inter­net­zu­gang und eine entsprechende Wal­let ver­fügt, kann Secu­ri­ty Token erwer­ben. Inve­storen erhal­ten durch frac­tion­al own­er­ship Zugang zur Investi­tion in Güter bzw. in Märk­te, die bish­er auf­grund hoher Min­des­tin­vesti­tion­ssum­men nur großen Anlegern vor­be­hal­ten waren.

Secu­ri­ty Token bieten einen weit­eren wichti­gen rechtlichen Vorteil. Weil die Blockchain als manip­u­la­tion­ssichere, robuste Daten­bank alle Transak­tio­nen und Verän­derun­gen im Eigen­tum der Token doku­men­tiert, ist für Auf­sichts­be­hör­den jed­erzeit klar nachvol­lziehbar, wie Token ihren Eigen­tümer gewech­selt haben und wer aktuell über sie ver­fügt. Dies ermöglicht gün­stige Auditver­fahren und schließt das Risiko von Steuer­hin­terziehung, Manip­u­la­tion und Betrugsver­suche aus.

Schließlich begeg­nen Secu­ri­ty Token einem häu­fi­gen Prob­lem von Util­i­ty Token – hohen Preiss­chwankun­gen. Weil Secu­ri­ty Token auf der Tokenisierung von Recht­en und echt­en Werten basieren, führen sie in der Regel zu mehr Sta­bil­ität. Für Inve­storen und Außen­ste­hende ist der reale Wert der Token leichter zu ermit­teln, was zu erhöhter Sicher­heit und besser­er Entschei­dungs­grund­lage führt. Unternehmen wiederum müssen nicht mit plöt­zlichen Ausverkäufen und drastis­chem Wertver­lust ihrer Token rech­nen. Dieses als „Pump and Dump“ beze­ich­nete Phänomen im Ver­hal­ten viel­er Speku­lanten lässt sich aber ohne­hin durch die Vor­gabe bes­timmter Hal­te­fris­ten mit­tels Festschrei­bung in den Smart Con­tracts ver­hin­dern.

Nachteile von Security Tokens

Dem ste­hen allerd­ings auch einige Nachteile gegenüber, welche in erster Lin­ie die Aus­gabe eines Secu­ri­ty Tokens betr­e­f­fen. Was für Unternehmen wom­öglich gegen einen Secu­ri­ty Token sprechen kann, ist die Tat­sache, dass für den Inhab­er damit Recht­sansprüche gegenüber dem Unternehmen entste­hen. Dies sollte in die rechtliche Pla­nung des Token-Mod­ells bzw. des gesamten Geschäftsmod­ells ein­fließen und berück­sichtigt wer­den.

Ein weit­er­er Nachteil ist die Tat­sache, dass das Feld von Secu­ri­ty Token noch so jung und über­schaubar ist, dass es bish­er kaum rechtlichen und tech­nis­chen Erfahrungss­chatz oder etablierte Best Prac­tices gibt, auf die man sich stützen kann. Ger­ade deswe­gen stellt sich die nicht ein­fache Frage, in welchem Land bzw. welch­er Geset­zge­bung ein Secu­ri­ty Token her­aus­gegeben wer­den soll, bzw. ein STO erfol­gen soll. Neben der Möglichkeit kom­pe­ten­ter rechtlich­er Beratung soll­ten vor allem die gel­tenden Geset­ze, rechtliche Klarheit in Sachen Kryp­towährun­gen und Dig­i­tal Assets sowie die Offen­heit der Regierung gegenüber dem The­ma Dig­i­tal Assets und Blockchain als Kri­te­rien in die Entschei­dung ein­fließen. Die Blockchain Island Mal­ta bietet hier etwa einen inter­es­san­ten Stan­dort.

Gegenüber der Aus­gabe eines Util­i­ty Token im Rah­men eines ICOs, ist die Emis­sion eines Secu­ri­ty Token eine rechtlich kom­plexere Angele­gen­heit. Auf­grund der bish­er gerin­gen Anzahl an durchge­führten STOs, muss im Vor­feld des STOs ein laufend­er Aus­tausch und eine enge Koor­di­na­tion mit den Finan­za­uf­sichts­be­hör­den erfol­gen. Diese müssen die Com­pli­ance mit und Ein­hal­tung von beste­hen­den Geset­zen durch den geplanten Secu­ri­ty Token über­prüfen und eine aus­drück­liche Genehmi­gung des Tokens aussprechen. Erst mit dieser rechtlichen Absicherung kann dann ein STO durchge­führt wer­den. Weil eine solche Über­prü­fung kom­plex und rechtlich­es Neu­land ist, müssen inter­essierte Unternehmen einen mehrmonati­gen Prozess bei der Entwick­lung und Vor­bere­itung eines STOs anber­au­men.

Soweit zur Ein­führung in die Grund­la­gen von Secu­ri­ty Token und ihre Dif­feren­zierung von Util­i­ty Token. Im näch­sten, zweit­en Teil unser­er Serie zu Secu­ri­ty Token Offer­ings wer­den wir uns im Detail mit STOs befassen und betra­cht­en, wie sie sich von IPOs und ICOs unter­schei­den. Zudem wer­den wir in einem kom­menden Artikel die Bedeu­tung von Smart Con­tracts für die Durch­führung von STOs betra­cht­en. Auch das ras­ant entste­hende Feld von Secu­ri­ty Token Exchanges wer­den wir näher beleucht­en und zeigen, warum Mal­ta einen geeigneten Stan­dort für die Durch­führung eines STOs darstellt.

Nach­dem wir uns im ersten Teil dieses Beitrags mit den Grund­la­gen von Secu­ri­ty Tokens sowie deren Vorteile und Nachteile gegenüber klas­sis­chen Util­i­ty Tokens beschäftigt haben, wer­den wir nun im zweit­en Teil betra­cht­en, welche Rechte als Secu­ri­ty tokenisiert wer­den kön­nen. Außer­dem wer­den wir Secu­ri­ty Token Offer­ings näher definieren und von IPOs und ICOs dif­feren­zieren. Zum Abschluss beschreiben wir, welche Rolle Smart Con­tracts bei der Durch­führung von STOs und dem Han­deln von Secu­ri­ty Token spie­len.

Tokenisierung von Rechten auf der Blockchain: verschiedene Ausprägungen möglich

Wichtig: Secu­ri­ty Tokens kön­nen sehr unter­schiedlich aus­geprägt sein. Eine Vielzahl von Recht­en kann in unter­schiedlichem Aus­maß tokenisiert wer­den. Eine Möglichkeit ist etwa das Recht, am Unternehmensgewinn teilzuhaben bzw. eine Auszahlung zu bekom­men. Eine weit­ere Möglichkeit wäre, ein Recht auf Rück­zahlung eines Dar­lehens zu haben.

Doch auch Stimm- und Mit­spracherechte kön­nen tokenisiert wer­den. Ein in Öster­re­ich vor­bere­it­eter STO des Unternehmens „Hydromin­er“ etwa gibt Token-Inhab­ern außer Gewin­nteil­habe auch das Recht, bei Geschäft­sentschei­dun­gen mitzus­prechen sowie ein Mitverkauf­s­recht, falls ein qual­i­fiziert­er Anteil der Eigen­tümer einen Verkauf ihrer Tokens beschließen würde.

Es gilt also zu beacht­en, dass Secu­ri­ty Tokens klas­sis­chen Aktien ähneln kön­nen, sich die konkreten Rechte von Fall zu Fall allerd­ings unter­schei­den. Weil es sich um Einzelfälle han­delt und diese von der Aus­gestal­tung des Use Case/Blockchain Ven­tures abhängig sind, ist in allen Fällen eine Rück­sprache bere­its im Pla­nungssta­di­um mit der Auf­sichts­be­hörde erforder­lich und rat­sam. Nur so kann sichergestellt wer­den, dass die rechtliche Aus­gestal­tung so erfol­gt, dass der Kap­i­tal­mark­t­prospekt let­zten Endes auch von der Auf­sichts­be­hörde freigegeben wird. Darum ist es bei der Auswahl eines Stan­dorts für einen STO auch beson­ders wichtig, ein Land zu wählen, in dem Auf­sicht­sor­gane zugänglich sind, um diese Aspek­te im Vor­feld eines STOs kor­rekt ausar­beit­en zu kön­nen.

Unterschied zwischen STO und ICO

STOs sind nicht nur eine attrak­tive Alter­na­tive zur Aus­gabe von Aktien (siehe Abschnitt „Unter­schied zwis­chen STO und IPO), son­dern wer­den von vie­len Start-ups und etablierten Unternehmen mit Ini­tial Coin Offer­ings ver­glichen. Der Unter­schied zwis­chen ICO und STO ist recht ein­fach: in der Regel wird bei einem ICO ein Util­i­ty Token, bei einem STO defin­i­tiv ein Secu­ri­ty Token aus­gegeben. Util­i­ty Token sind reines Aus­tauschmit­tel auf der Plat­tform des Unternehmens, Wert­pa­pier­vorschriften find­en keine Anwen­dung auf sie.

Bis vor kurzem waren noch prak­tisch alle Start-ups damit beschäftigt, mehr oder weniger überzeu­gend darzule­gen, dass es sich bei ihrem Token auss­chließlich um einen Util­i­ty Token han­dle. Die klare Absicht war es natür­lich, den rechtlichen Pflicht­en für die Aus­gabe von Wert­pa­pieren – wie Infor­ma­tion­spflicht­en, Pub­lika­tion eines Wert­pa­pier­prospek­ts, etc. – und teils hohen rechtlichen Strafen zu entkom­men.

Das ändert sich aber nun schla­gar­tig. Die Vorteile von STOs überzeu­gen immer mehr Unternehmen davon, einen STO anstatt eines ICOs anzus­treben. Für einen STO sprechen in erster Lin­ie die erhöhte rechtliche Sicher­heit, die durch die Aus­gabe eines geset­zeskon­for­men Wert­pa­piers entste­ht. Viele von Unternehmen selb­st als „Util­i­ty Token“ deklar­i­erte Token wer­den von Auf­sichts­be­hör­den kri­tisch geprüft. Immer wieder kam es bere­its vor, dass Behör­den eine als UT her­aus­gegebene Token als Secu­ri­ty ein­stuften und das aus­gebende Unternehmen anschließend verk­lagt wurde. Dies kann das Ende des Unternehmens bedeuten.

Der Ablauf eines ICOs und eines STOs sind in der Regel allerd­ings sehr ähn­lich. Der primäre Unter­schied ist der erhöhte zeitliche und finanzielle Aufwand, der bei einem STO für die Über­prü­fung des Tokens durch Auf­sichts­be­hör­den sowie rechtliche Beratung anfällt. Die im Zuge des STOs erforder­lichen KYC-Prozesse wer­den mit­tler­weile zur rechtlichen Absicherung allerd­ings auch von prak­tisch allen Unternehmen im Zuge Ihres ICOs durchge­führt. Während ICOs in der Regel „nur“ ein Whitepa­per pub­lizieren, müssen STOs ein geset­zeskon­formes Wert­pa­pier­prospekt veröf­fentlichen.

Unterschied zwischen einem STO und IPO

Wir haben bere­its besprochen, dass ein Secu­ri­ty Token einem klas­sis­chen Wert­pa­pi­er bzw. Finanzin­stru­ment ähnelt und rechtlich als solch­es einzustufen ist. Wie unter­schei­det sich nun die Aus­gabe eines Secu­ri­ty Token (= STO) allerd­ings von einem gewöhn­lichen IPO?

Betra­cht­en wir hier hierzu zunächst den Ablauf eines klas­sis­chen Ini­tial Pub­lic Offer­ings. Wenn ein Unternehmen die Aus­gabe von Aktien im Rah­men eines IPOs plant, so muss dies der zuständi­gen Auf­sichts­be­hörde, etwa der Bafin in Deutsch­land, Secu­ri­ties and Exchange Com­mis­sion (SEC) in den USA oder in Mal­ta der Mal­ta Finan­cial Ser­vices Author­i­ty (MFSA) angemeldet wer­den. Teil der rechtlichen Pflicht­en ist die Vor­bere­itung und Pub­lika­tion eines geset­zeskon­for­men Kap­i­tal­mark­t­prospek­ts durch das aus­gebende Unternehmen. Die konkrete Abwick­lung des IPOs wird in der Regel von ein­er Invest­ment­bank über­nom­men. Diese übern­immt alle auszugeben­den Aktien vom emit­tieren­den Unternehmen samt admin­is­tra­tiv­en Tätigkeit­en und somit auch das Risiko für deren Verkauf, kassiert dafür aber auch eine saftige Pro­vi­sion. Die Bank platziert die Aktien am Aktien­markt, Inve­storen kaufen die Aktien am Aktien­markt dann von der Bank.

Auch bei STOs wer­den aktienähn­liche Wert­pa­piere aus­gegeben, allerd­ings wird die tech­nis­che Abwick­lung durch Blockchain-Tech­nolo­gie und darauf basierende Smart Con­tracts drama­tisch vere­in­facht. Smart Con­tracts ermöglichen eine automa­tis­che Abwick­lung der Emis­sion und Verkaufs nach definierten Regeln. Die dadurch mögliche Automa­tisierung von Transak­tio­nen ermöglicht die Eli­m­inierung von Mit­telmän­nern. Es bedarf kein­er Bank mehr, die die Platzierung und den Erstverkauf organ­isiert. Stattdessen soll­ten Unternehmen allerd­ings im Vor­feld auf inten­sive rechtliche Beratung durch auf Kryp­toser­vices spezial­isierte Anwalt­skan­zlei set­zen.  Die Eli­m­inierung ein­er Invest­ment­bank als Inter­mediär ermöglicht stark reduzierte Gebühren, eine schnellere Order­aus­führung. Darum kön­nen Min­des­tin­vesti­tion­ssum­men niedriger sein und die Secu­ri­ty Token des Unternehmens einem größeren Kreis an poten­ziellen Inve­storen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Zudem haben involvierte finanzielle Insti­tu­tio­nen keine Möglichkeit, den Prozess des STOs wom­öglich mutwillig zu ihren Gun­sten zu bee­in­flussen.

Die Rolle von Smart Contracts in STOs

Wer sich mit Secu­ri­ty Token Offer­ings beschäftigt, der kommt nicht daran vor­bei, sich mit einem dom­i­nan­ten, tech­nis­chen Phänomen näher zu befassen: Smart Con­tracts. Sie stellen die tech­nis­che Grund­lage für die Aus­gabe und das Han­deln von Secu­ri­ty Token dar. Doch was ist eigentlich ein Smart Con­tract? Dabei han­delt es sich um in Code pro­gram­mierte Vere­in­barun­gen, deren Bes­tim­mungen beim Ein­treten bes­timmter Rah­menbe­din­gun­gen automa­tisch durchge­führt wer­den.

Smart Con­tracts wer­den als dezen­trale Anwen­dun­gen (decen­tral­ized apps – dApps) auf Smart Con­tract-fähi­gen Blockchain-Pro­tokollen wie der Ethereum Blockchain aus­ge­führt. Prak­tisch alle Vorgänge eines Secu­ri­ty Token Offer­ings wer­den dabei von Smart Con­tracts abgewick­elt.

  • Eigens konzip­ierte Smart Con­tracts steuern die Über­mit­tlung der Investi­tion­ssum­men von Anlegern an die Wal­let-Adresse des Secu­ri­ty Token-aus­geben­den Unternehmens
  • Nach erhal­tener Investi­tion und Erre­ichen des min­i­malen Investi­tion­sziels (= Soft Cap) wer­den am vorge­se­henen Datum die entsprechende Anzahl an Token an die investieren­den Wal­let-Adressen automa­tisch über­mit­telt. Smart Con­tracts erlauben also eine automa­tisierte Abwick­lung der Token-Emis­sion und eli­m­inieren so Banken, welche bei IPOs als Ver­rech­nungsstelle bzw. Inter­mediär agieren.
  • Smart Con­tracts kön­nen je nach Anwen­dungs­fall mit vorge­se­hen­er Logik pro­gram­miert wer­den. Gängige Beispiele sind etwa soge­nan­ntes „Whitelist­ing“, was bedeutet, dass nur expliz­it zuge­lassene Wal­let-Adressen und deren Eigen­tümer solche Token erhal­ten kön­nen. Auch eine kon­träre Vorge­hensweise – „Black­list­ing“ ist möglich: hier­bei wer­den einige Wal­let-Adressen vorge­se­hen, an die keine Token ver­schickt wer­den dür­fen. Weit­ere Beispiele für in Smart Con­tracts pro­gram­mierte Regeln sind Hal­te­fris­ten, aber auch Mitbes­tim­mungsrechte.
  • Smart Con­tracts ermöglichen auch die automa­tisierte Auszahlung von Gewinn­beteili­gun­gen nach Ablauf eines Geschäft­s­jahres – entsprechend der Div­i­den­den­zahlung bei klas­sis­chen Aktien.
  • Auch der Han­del auf Secu­ri­ty Token Exchanges – wie im näch­sten Abschnitt näher beschrieben – ist nur durch Smart Con­tracts möglich.

Im näch­sten, drit­ten und let­zten Teil unser­er Serie wer­den wir uns mit der Rolle von Secu­ri­ty Token Exchanges als Sekundär­markt für Secu­ri­ty Token beschäfti­gen. Außer­dem wer­den aktuelle Bestre­bun­gen zur Etablierung von Secu­ri­ty Token Exchanges in Mal­ta vorgestellt und dargelegt, warum Mal­ta aktuell der wahrschein­lich attrak­tivste Stan­dort für STOs über­haupt ist.

Security Token Exchanges (STEs) als Sekundärmarkt für Security Token

Bei Secu­ri­ty Token Offer­ings kommt es zur Kom­bi­na­tion der stren­gen Aufla­gen und rechtlichem Schutz klas­sis­ch­er Wert­pa­piere mit der dezen­tralen, auf Smart Con­tracts basierten Natur der Blockchain-Tech­nolo­gie. Mit dem Aufkom­men von Secu­ri­ty Token Offer­ings ist auch eine neue Art von Exchanges im Entste­hen: Secu­ri­ty Token Exchanges.

Während auf nor­malen Kryp­to-Exchanges alle Arten von Token (primär Util­i­ty Token) gehan­delt wer­den kön­nen, wer­den STEs exk­lu­siv für das Han­deln und den Verkauf bzw. Ankauf von Secu­ri­ty Token aus­gelegt. Das ist erforder­lich, um best­möglich au die speziellen Eigen­schaften von Secu­ri­ty Token einzuge­hen. Mit dem Verkauf des Tokens am STE überträgt sich auch das tokenisierte Recht an den neuen Inhab­er des Tokens. Secu­ri­ty Token Exchanges bilden darum den Sekundär­markt für Secu­ri­ty Token. Umso größer die Anzahl an aus­gegebe­nen Secu­ri­ty Token, desto wichtiger wer­den STEs wer­den.

Weil es sich auch hier um eine noch in den Kinder­schuhen befind­liche Branche han­delt, bleibt abzuwarten wie sich der Markt tat­säch­lich entwick­elt. Ein möglich­es Szenario ist, dass sich infolge der steigen­den Anzahl an emit­tierten Secu­ri­ty Token die beste­hen­den Mark­t­führer wie Binance, OKEx und weit­ere Kryp­towährungs-Exchanges gezwun­gen sehen, auch die Funk­tion­al­ität eines STEs in ihr Ser­vi­ce­port­fo­lio zu inte­gri­eren.

Ein alter­na­tives Szenario ist, dass sich auf­grund der unter­schiedlichen Anforderun­gen für das Traden von Secu­ri­ty Token gegenüber herkömm­lich­er Util­i­ty Token spezial­isierte Han­del­splat­tfor­men, auf denen auss­chließlich Secu­ri­ty Tokens getradet wer­den kön­nen, durch­set­zen und am Markt etablieren wer­den. Unbe­strit­ten ist, dass sie dazu beitra­gen wer­den, dass Secu­ri­ty Token als Alter­na­tive zu klas­sis­chen Wert­pa­pieren immer attrak­tiv­er wer­den, weil erstere leichter, schneller und gün­stiger gehan­delt wer­den kön­nen. Schließlich reicht das Eigen­tum des Tokens als Inhab­er- und Berech­ti­gungsnach­weis für allfäl­lige mit dem Token ver­bun­dene Rechte.

Mehrere Security Token Exchanges in Malta geplant

Bere­its im Juli dieses Jahres gab Neu­fund, eine Plat­tform für Equi­ty-basierte Tokens (eine Son­der­form von Secu­ri­ty Token) eine Zusam­me­nar­beit mit MSX, ein­er auf Fin­tech-spezial­isierte Sub­or­gan­i­sa­tion des Mal­ta Stock Exchanges bekan­nt. Ziel sei es dabei, die erste reg­ulierte, dezen­trale glob­ale Aktien­börse zu schaf­fen.

Dabei sollen soge­nan­nte tokenisierte Wert­pa­piere als auch weit­ere dig­i­tale Ver­mö­genswerte gelis­tet wer­den und han­del­bar sein. Bis Ende 2018 möchte man dies im Rah­men eines Pilot­pro­jek­ts gemein­sam erprobt haben. Dabei wird auf Token verteiltes Eigenkap­i­tal über Neu­fund als Primär­markt emit­tiert. Neu­fund und der in Mal­ta behei­matete Kryp­to-Exchange Binance kooperieren eben­falls. So soll der im Rah­men des Pilot­pro­jek­ts emit­tierte Equi­ty Token anschließend auf Binance als Sekundär­markt han­del­bar sein.

Die 3 Unternehmen verbindet die langfristige Vision eines kom­plet­ten Ökosys­tems, in dem token-basierte Wert­pa­piere mit­tels Blockchain-Tech­nolo­gie aus­gegeben und gehan­delt wer­den kön­nen, wobei all dies natür­lich geset­zeskon­form und legal bindend stat­tfind­en wird.

Der Mal­ta Stock Exchange möchte mit seinem Accel­er­a­tor MSX allerd­ings noch weit­ere Poten­ziale erkun­den. Gemein­sam mit dem Binance-Konkur­renten OkEX, der sich auch auf Mal­ta ange­siedelt hat, arbeit­et man eben­falls an der Entwick­lung eines eige­nen Exchanges auf dem Secu­ri­ty Token han­del­bar sein sollen.

Hierzu wurde eben­falls im Juli 2018 eine Absicht­serk­lärung (Mem­o­ran­dum of Under­stand­ing – MoU) zwis­chen den bei­den Parteien unterze­ich­net. Die Plat­tform trägt den Namen OKMSX und soll bere­its im 1. Quar­tal 2019 ihren Betrieb aufnehmen und von Mal­ta aus eine glob­ale Kund­schaft bedi­enen. Nach eige­nen Angaben soll es sich dabei auch primär um eine Han­del­splat­tform für Secu­ri­ty Token auf insti­tu­tioneller Ebene han­deln.

Mal­ta hat die Zeichen der Zeit erkan­nt. Ins­beson­dere Exchanges wer­den in ein­er Zukun­ft, in der Blockchain-Tech­nolo­gie viele Branchen nach­haltig und dauer­haft umkrem­peln wird, eine Schlüs­sel­rolle ein­nehmen.

Malta als Standort für STOs

Wenn es um die Auswahl eines Stan­dorts für die Durch­führung eines Secu­ri­ty Token Offer­ings geht, dann ste­ht Mal­ta ganz oben auf der Liste. Wie die oben erwäh­n­ten Beispiele zeigen, sind die mal­te­sis­che Regierung und der Mal­ta Stock Exchange bere­its dabei, sich für die erste Welle von Secu­ri­ty Token Offer­ings und Etablierung von Secu­ri­ty Token Exchanges vorzu­bere­it­en. Tat­säch­lich kann derzeit kein anderes Land der Blockchain Island in Sachen STO das Wass­er reichen.

Seit dem EU-Beitritt 2004 hat sich Mal­ta als inter­na­tionales Finanzzen­trum einen Namen gemacht. Die tech­nolo­gie-fre­undliche mal­te­sis­che Regierung ste­ht dem The­ma Blockchain, Dig­i­tal Assets und Tok­enized Secu­ri­ties offen gegenüber. Proak­tiv wirbt man mit Kon­gressen um die Ansied­lung von Blockchain-Unternehmen, die hier ein klares rechtlich­es Rah­men­werk für die Zulas­sung und Lizen­zierung von Dig­i­tal Assets vorfind­en.

Auch steuer­liche Aspek­te sprechen für die Blockchain Island Mal­ta. Unternehmen, die Kryp­toein­la­gen einge­sam­melt haben, prof­i­tieren hier von dem vorteil­haften und gün­sti­gen Kör­per­schaftss­teuer­satz. Damit erzielte Investi­tion­sein­nah­men und Kap­i­tal­gewinne sind steuer­be­fre­it. Zudem sind unter dem Niveau wes­teu­ropäis­ch­er EU-Län­der liegende Per­son­al- und Betrieb­skosten ein weit­er­er Grund für die Ansied­lung auf der son­ni­gen Mit­telmeerin­sel. Durch den EU-Bin­nen­markt kön­nen STOs, die von der mal­te­sis­chen Auf­sichts­be­hörde – der Mal­ta Finan­cial Ser­vices Author­i­ty – als reg­uliert und legal eingestuft wur­den, in allen EU-Mit­gliedsstaat­en aktiv wer­den und Inve­storen gewin­nen.

Als „Blockchain Island“ posi­tion­iert ist Mal­ta zu einem inter­na­tionalen Hub der Kryp­to-Szene gewor­den. Immer mehr Unternehmen, Grün­der und Devel­op­er sind Branchen­größen wie Binance und OKEx gefol­gt und tra­gen zur flo­ri­eren­den Blockchain Com­mu­ni­ty in Mal­ta bei. Alle Anze­ichen deuten darauf hin, dass wir in den näch­sten Monat­en einen ras­an­ten Anstieg in der Durch­führung von Secu­ri­ty Token Offer­ings sehen wer­den. Die Blockchain-Island Mal­ta bietet ide­ale Rah­menbe­din­gun­gen und ist für den kom­menden STO-Boom gerüstet.

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