Auf einen Blick: Vier Gründe sprechen häufig gegen eine Malta Limited: (1) CFC Rules und Substanzanforderungen machen die Struktur komplex, (2) ohne Umzug lohnt es sich erst ab 250.000 EUR Jahresgewinn, (3) Dividendensteuer im Wohnsitzland erhöht die effektive Belastung auf über 20 %, und (4) rein steuerliche Motivation hält keiner Betriebsprüfung stand. Stand: Februar 2026.
Einordnung: Allein 2024 wurden laut Malta Business Registry insgesamt 3.376 neue Gesellschaften in Malta registriert — der Standort wächst. Doch nicht für jeden ist die Malta Limited die richtige Wahl.
Mich erreichen täglich viele Anfragen von Lesern unseres Blogs, aber auch von Kollegen aus der ganzen Welt. Die Fragen ähneln sich:
„Ich würde gerne eine Malta Limited gründen.“
„Wie viel kostet eine Firmengründung in Malta?“
„Wie hoch ist die effektive Steuerlast durch eine Firma in Malta mit Holding?“
„Was sind die Schritte zur Unternehmensgründung in Malta?“
Ja, vielfach wird die Firmengründung in Malta im Rahmen des Malta Limited Modells als steuergünstigste Lösung innerhalb der EU erklärt. Und in der Tat: Wer alle nötigen Voraussetzungen erfüllt, kann von einer Effektivbesteuerung von nur 5 % profitieren.
Viel zu oft müssen wir jedoch Mandate ablehnen. Ja, auch das gehört zu unserem Kanzleialltag. Und wir stünden nicht, wo wir wären, wenn wir jede Anfrage bedienen würden.
Nicht immer — nein, sogar sehr oft — ist eine Firmengründung in Malta nicht ratsam. Auch wenn vermeintliche Voraussetzungen erfüllt sind.
Aus all unseren Jahren in Malta haben sich vier Gründe herauskristallisiert, die gegen eine Malta Limited Gründung sprechen. Lassen Sie uns diese aufgreifen und erklären.
1. Komplexität: CFC Rules und Substanzanforderungen
Auf einen Blick: Die Komplexität einer Firmengründung in Malta ist auf Grund geltenden Steuerrechts nicht zu unterschätzen. Oftmals führt sie dazu, dass nur bestimmte Unternehmer — die ortsunabhängig arbeiten können — von der Firmengründung in Malta profitieren.
Wir leben in einer Welt, in der die Steuertransparenz immer mehr zunimmt. Das ist per se nicht schlecht.
CFC Rules: Die Spielregeln für internationale Firmengründer
Es gibt diverse Rahmenwerke wie die CFC Rules (Controlled Foreign Company), die klar abstecken, was für Firmengründer weltweit gilt.
Beispiel: Der Investor bzw. Gründer hat seinen Wohnsitz in einem Land, in dem CFC Rules angewandt werden. Vereinfacht gesagt sind die CFC Rules die Spielregeln, die definieren, wie ein Unternehmen international agieren, gegründet und betrieben werden darf.
Sobald diese oder ähnliche Regeln angewandt werden, ist der Aufwand von zu schaffender Substanz in Malta unter Umständen zu hoch.
Was bedeutet Substanz?
Substanz bedeutet im Kontext der Unternehmensgründung immer, dass eine gewisse Wertschöpfung vorliegt:
Echter Geschäftsbetrieb = Substanz
Nur eine Briefkastenfirma = keine Substanz
Und nicht immer kann Substanz geschaffen werden. Denken Sie an Baufirmen, an lokal gebundene Beratungsfirmen. Es muss in jedem Fall geklärt werden, ob sich das geplante Geschäft substanziell von Malta aus betreiben lässt.
BEPS-Richtlinien und die Konsequenzen
Seit einigen Jahren gelten die BEPS-Richtlinien der OECD. Gerade in Verbindung mit ATAD und anderen international verabschiedeten Gesetzesgrundlagen muss konstatiert werden: Eine steuerlich saubere Führung einer maltesischen Gesellschaft ist in der Regel nur über einen aktiven Geschäftsbetrieb vor Ort realisierbar.
Scheingesellschaften, die nur mit einem Briefkasten existieren, lassen sich rechtlich nicht realisieren. Um vor beispielsweise deutschen Finanzbehörden unangreifbar zu sein, müssen Sie den Weg nach Malta gehen.
Die Rechtsgrundlage bildet dabei unter anderem die EU Anti-Tax-Avoidance-Directive (ATAD), die seit 2019 in allen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt ist.
Kernaussage: Einkommen muss nach geltendem Recht dort versteuert werden, wo die substanzielle Wertschöpfung vorliegt. Anders geht es 2026 nicht mehr.
2. Die 250.000-Euro-Schwelle
Auf einen Blick: Wer für eine Firmengründung in Malta nicht nach Malta ziehen möchte, für den sind die Kosten oftmals so hoch, dass sich eine Gründung erst ab 250.000 EUR Gewinn pro Jahr lohnt. Mit Umzug: lohnenswert von Anfang an.
Es gibt viele Anbieter, die zu mehr oder weniger günstigen Preisen eine Gesellschaftsgründung auf Malta anbieten — völlig unabhängig von der Höhe des zu erwartenden Jahresgewinns.
Die Krux hierbei — und das betonen wir bereits bei unseren kostenfreien Erstberatungen:
Die Gründung als solche ist nicht wirklich kompliziert. Man muss zwar wissen, was es zu tun gilt, aber an sich ist dieser Part nicht schwer durchzuführen (weswegen es auch so viele Gründungsagenturen gibt).
Die Konsequenzen, die mit einer Firmengründung in Malta einhergehen, können es jedoch in sich haben. Wenn das Heimatfinanzamt erst einmal anklopft, ist es für viele leider schon zu spät, weil nicht korrekt vorgegangen wurde.
Warum die Kosten ohne Umzug so hoch sind
Wer nicht nach Malta zieht, gleichzeitig aber aus Kostengründen auf einen Geschäftsführer vor Ort verzichtet, begeht Steuerhinterziehung — sofern nicht im Inland versteuert wird (was ja nicht Ziel der Sache ist). Ebenso muss klargestellt werden, dass ein bestehender Betrieb im Inland ein Problem darstellen kann. Stichwort: Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG).
All das sind Themen, die mit ordentlicher Beratung aus dem Weg geräumt werden können. Und genau diese Beratung ist das Teure an der Gründung mit einer Kanzlei wie unserer. Wir sind keine Gründungsagentur. Wir sind Steuerberater.
Vergleich: Mit vs. ohne Umzug nach Malta
Kriterium | Ohne Umzug | Mit Umzug nach Malta |
|---|---|---|
Gewinnschwelle | Ab 250.000 EUR/Jahr | Lohnt sich von Anfang an |
Geschäftsführung | Externer GF vor Ort nötig (teuer) | Eigene Geschäftsführung |
Substanznachweis | Hoch: Büro, Personal, realer Betrieb | Automatisch durch Wohnsitz |
Finanzbehörden | Erklärungsbedarf im Heimatland | Kein Erklärungsbedarf |
Effektiver Steuersatz | 20-28 % (inkl. Dividendensteuer) | Ca. 5 % effektiv |
Komplexität | Hoch | Überschaubar |
Glauben Sie mir: Der Umzug macht die Sache sehr viel leichter und bereits deutlich früher lohnenswert.
Selbst wenn wir unseren Mandanten viel Arbeit abnehmen, so bleibt der geistige Aufwand beim Mandanten. Deshalb hat dieser abzuwägen, ob sich bei einer geringen Ersparnis von 10.000 bis 50.000 EUR der Aufwand des Strukturaufbaus tatsächlich lohnt.
3. Dividendenbesteuerung im Wohnsitzland
Auf einen Blick: Gesellschaftsgründer, die nicht in Malta wohnen, müssen Dividenden regulär versteuern. Hierdurch liegt der Effektivsteuersatz oftmals bei über 20 %. Dies gilt nicht für Firmengründer, die nach Malta ziehen.
Wer schon einmal eine Kapitalgesellschaft gegründet hat, kennt es: Dividenden werden regulär mit 25 % versteuert. Der bereits versteuerte Gewinn der Gesellschaft wird also noch einmal besteuert.
Der klassische Rechenfehler
Viele Mandanten, die im Ausland wohnen bleiben, vergessen oder ignorieren, dass es neben der maltesischen Steuer auch noch die Steuer für die Dividenden aus Malta im Wohnsitzland zu zahlen gilt. Diese beträgt in den Europäischen Mitgliedsstaaten i.d.R. zwischen 15 und 30 % und muss natürlich in die Kalkulation mit einfließen.
Rechenbeispiel: Effektive Steuerbelastung ohne Umzug
Posten | Betrag |
|---|---|
Unternehmensgewinn | 300.000 EUR |
Malta Körperschaftsteuer (35 %) | 105.000 EUR |
Tax Refund (6/7 Erstattung) | – 90.000 EUR |
Netto Malta-Steuer (5 %) | 15.000 EUR |
Dividende an Gesellschafter | 285.000 EUR |
Dividendensteuer im Wohnsitzland (~25 %) | 71.250 EUR |
Gesamte Steuerbelastung | 86.250 EUR (28,8 %) |
Statt der erhofften 5 % liegt die tatsächliche Steuerbelastung also bei knapp 29 % — immer noch günstiger als der deutsche Spitzensteuersatz, aber weit entfernt von den beworbenen 5 %.
Zum Vergleich: Mit Umzug nach Malta
Wer seinen Wohnsitz nach Malta verlegt, zahlt keine Dividendensteuer im Ausland. Die Rechnung sieht dann so aus: Bei 300.000 EUR Gewinn fallen effektiv nur 15.000 EUR Steuern (5 %) an — eine Ersparnis von über 71.000 EUR gegenüber dem Szenario ohne Umzug.
Common Reporting Standard: Das Finanzamt erfährt davon
Vorsicht! Zu meinen, dass man die Dividende auf ein Konto in Malta, in Bar oder anderweitig empfangen kann, ohne dass das Heimatfinanzamt davon etwas mitbekommt, ist:
Naiv — siehe Common Reporting Standard (CRS), der seit 2016 den automatischen Informationsaustausch zwischen Finanzbehörden regelt
Unter Umständen strafbar — Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt
4. Rein steuerliche Motivation reicht nicht
Auf einen Blick: Nur wegen Steuern eine Gesellschaft in Malta zu gründen, geht früher oder später schief — es drohen Nachversteuerungen. Dies gilt nicht für Firmengründer, die nach Malta ziehen.
Ich sage es immer wieder: Jeder Interessent, der nicht in Malta wohnt und nicht in absehbarer Zeit nach Malta ziehen möchte, sollte sich ausreichend Gedanken dazu machen, warum eine Gründung auf Malta aus seiner Sicht sinnvoll erscheint — ohne dabei die steuerlichen Aspekte allein zu betrachten.
Die Unternehmensgründung in Malta einzig und allein auf ein Steuersparmodell zu stützen, wird früher oder später bei einer Prüfung durch ein ausländisches Finanzamt zu Fall gebracht werden. So hart es auch ist.
Mein Appell: Nicht allein wegen Steuern in Malta gründen, schon gar nicht, wenn man nicht hierherziehen möchte.
Valide Gründe jenseits der Steuer
Es gibt jedoch genügend valide Gründe für eine Malta Limited Gründung, die über den steuerlichen Aspekt hinausgehen:
Geostrategische Lage — Brücke zwischen Europa und Nordafrika
Regulatorische Stärke — praxisnahe Regulierung im Finanz- und Glücksspielwesen (MGA-Lizenz)
Schiffregistrierung — Malta hat das sechstgrößte Schiffsregister der Welt
Niedrige Lohnnebenkosten — mit ca. 200 EUR/Monat als Geschäftsführer voll sozial- und krankenversichert
IT-Fachkräfte — große Anzahl englischsprachiger Fachkräfte im IT-Bereich
Moderne Infrastruktur — Forschungs-, Business- und Handelszentren, sichere IT-Anbindung
EU-Mitgliedschaft — voller Zugang zum europäischen Binnenmarkt
Wohlgemerkt: Im Falle eines Umzugs nach Malta entfällt ohnehin jeder weitere Erklärungsbedarf gegenüber ausländischen Finanzbehörden — denn dann leben Sie in dem Land, in dem Sie auch das Unternehmen gründen.
Fazit: Wann lohnt sich eine Malta Limited trotzdem?
Die vier genannten Gründe sollen Sie nicht abschrecken — sondern aufklären. Eine Malta Limited kann ein hervorragendes Instrument sein. Aber nur unter den richtigen Voraussetzungen.
Entscheidungshilfe: Malta Limited — ja oder nein?
Malta passt nicht, wenn ... | Malta passt, wenn ... |
|---|---|
Ortsgebundenes Geschäft (Bau, lokale Dienste) | Ortsunabhängiges Geschäft (E-Commerce, IT, Beratung) |
Gewinn unter 250.000 EUR und kein Umzug | Umzug nach Malta geplant oder bereits erfolgt |
Rein steuerliche Motivation | Echte Geschäftsgründe jenseits der Steuer |
CFC Rules greifen und Substanz nicht darstellbar | Gewinn über 250.000 EUR auch ohne Umzug |
Kein Budget für professionelle Beratung | Bereitschaft für saubere rechtliche Struktur |
Wenn die Voraussetzungen stimmen, ist Malta nach wie vor einer der attraktivsten Unternehmensstandorte in der EU. Die effektive Steuerbelastung von 5 % durch das EU-konforme Tax-Refund-System ist real — aber eben nur unter den richtigen Rahmenbedingungen.
Sie möchten wissen, ob Malta für Ihre Situation passt? Erfahren Sie mehr über unsere Steuerberatung für internationale Unternehmer oder lesen Sie, warum immer mehr Digital Independents den Schritt nach Malta wagen.
In unserem ausführlichen Leitfaden erfahren Sie alles über den Ablauf, die Kosten und die steuerlichen Details: Malta Limited gründen 2026: Der komplette Leitfaden.




