Liquiditätskrise in Zeiten von COVID-19 (Coronavirus) – wie dagegen vorgegangen werden kann

Wie Unternehmen jet­zt ihre Liq­uid­ität erhöhen kön­nen, um in Zeit­en des Coro­n­avirus über­leben zu kön­nen.

Das Ver­trauen in die Finanzmärk­te ist seit der Finanzkrise 2008 geschwächt. Viele Unternehmen stellen sich aktuell die Frage, wie es weit­er geht.
Ger­ade kleine und mit­tel­ständis­che Unternehmen ste­hen vor ein­er nie dagewe­se­nen Her­aus­forderung. Covid 19 – das Virus, was unser kom­plettes Wirtschaftssys­tem auf den Kopf stellt.

Der deutsche Staat hat bspw. bere­its steuer­liche Maß­nah­men angekündigt. Die Regierung plant Liq­uid­ität­shil­fen in Mil­liar­den­höhe. Deutsch­land als wirtschaftlich­es Land schafft es vielle­icht seine Unternehmen durch solche Maß­nah­men­pakete zu schützen. Doch wie sieht es bei anderen Län­dern aus?

Fakt ist, dass Unternehmen ger­ade jet­zt mit ihren finanziellen Mit­teln haushal­ten müssen. Es müssen genü­gend Liq­uid­itätsvor­räte vorhan­den sein, um seine Mitar­beit­er bezahlen zu kön­nen – auch dann, wenn keine oder nur noch wenige Ein­nah­men gener­iert wer­den kön­nen. Die kurzfristige Lösung? Liq­uid­ität erhöhen und Rück­la­gen bilden.

Laut Experten wird der Virus uns noch ca. 1–2 Jahre begleit­en. Was also tun, um finanzielle Mit­tel so lange wie möglich aufrecht zu erhal­ten?

Liquiditätskrise

Eine Liq­uid­ität­skrise kann auch bei gesun­den Unternehmen entste­hen, wenn Umstände wie etwa Covid 19 oder die Finanzkrise in 2008 ein­treten, die dazu führen, dass kurzfristige Verpflich­tun­gen wie die Rück­zahlung von Kred­iten und Bezahlung von Mitar­beit­ern nicht mehr einge­hal­ten wer­den kön­nen. Um die Geschehnisse aus 2008 nicht zu wieder­holen müssen frühzeit­ig Maß­nah­men ein­geleit­et wer­den, damit genü­gend Liq­uid­ität und Rück­la­gen da sind, um am Markt zu über­leben.

Definition der Liquidität und der Liquiditätsgrade

Liq­uid­ität = Fähigkeit des Unternehmens, jed­erzeit, ter­min­gerecht und in vollen Umfang seinen Zahlungsverpflich­tun­gen nachzukom­men.

Dabei kann zwis­chen der rel­a­tiv­en Liq­uid­ität (Finanz­planliq­uid­ität) und der absoluten Liq­uid­ität (Ver­mö­gensliq­uid­ität) unter­schieden wer­den.

Finan­zliq­uid­ität = Über­schre­itung der ver­füg­baren Zahlungsmit­tel der fäl­li­gen Verbindlichkeit­en

Ver­mö­genliq­uid­ität = Beschreibt die Liq­ui­dier­barkeit eines Ver­mö­gens­ge­gen­standes, also die Möglichkeit Ver­mö­gens­ge­gen­stände als Zahlungsmit­tel zu ver­wen­den oder umtauschen zu kön­nen

Ermittlung der Liquiditätslage

In der Prax­is wird die Liq­uid­ität­slage der Unternehmen mit­tels Liq­uid­itäts­grade ermit­telt.

Interpretation:

Quo­tient > 1: kurzfristige Verbindlichkeit­en gedeckt

Oft­mals: Cash ratio < 1*

*Einige Unternehmen weisen jedoch eine Liq­uid­ität 1. Grades von < 1 auf, da die kurzfristi­gen Verbindlichkeit­en nicht alle zum Betra­ch­tungszeit­punkt fäl­lig sind und ein hoher Bestand an Zahlungsmit­teln man­gels Verzin­sung dem Ziel Gewin­n­max­imierung ent­ge­gen­ste­ht.

Quick Ratio > 1**
**Allerd­ings sollte zumin­d­est die Liq­uid­ität 2. Grades über 1 liegen, da neben den aus der Bilanz erkennbaren kurzfristi­gen Verbindlichkeit­en auch Per­son­alkosten und andere Aufwen­dun­gen zu begle­ichen sind, deren Fäl­ligkeit nicht aus der Bilanz ersichtlich ist.

Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität

Liq­uid­itäts­man­age­ment all­ge­mein

  • Erstel­lung eines Liq­uid­ität­s­plans (Sie find­en einen entsprechen­den Liq­uid­ität­s­plan weit­er unten zum down­load)
  • Fes­tle­gung von Aus­gabepri­or­itäten
  • Aus­gaben­stop

Anlagegüter

  • Verkauf von nicht betrieb­snotwendi­gen Anlagegütern (Grund­stücke, Maschi­nen, Fahrzeuge etc.)
  • Sales-and-lease-back
  • Ver­mi­etung von nicht benötigten Räu­men, nicht aus­ge­lasteten Maschi­nen, Fahrzeu­gen
  • Möglichkeit­en der Fremd­ver­gabe von bes­timmten Tätigkeit­en
  • Geplante Investi­tion über­prüfen
  • notwenidge Invetis­tio­nen leasen statt kaufen

Vor­räte

  • Lagerbe­stand über­prüfen (Umschlagshäu­figkeit) und ver­min­dern
  • Lager­hal­tung auf Liefer­ant ver­lagern
  • Waren auf Kom­mis­sion beziehen
  • Bestell­we­sen über­prüfen und opti­mieren
  • Pro­duk­tion auf Lager ein­stellen

Forderun­gen

  • Fer­tige Aufträge sofort fak­turi­eren (Rech­nung mit Liefer­ung) Abschlagsrech­nun­gen für teil­fer­tige Leis­tun­gen stellen
  • kün­ftig Kun­de­nan­zahlun­gen und Abschlagszahlun­gen vere­in­baren
  • Fer­tige Aufträge sofort fak­turi­eren (Rech­nung mit Liefer­ung)
  • Zahlungsziel für Kun­den verkürzen
  • Zahlungsan­reize schaf­fen (z. B. Kun­den­skon­ti)
  • Vorteil­hafte Zahlungsmit­tel forcieren (bar, Lastschrifteinzug, Diskon­twech­sel)
  • Über­fäl­lige Forderun­gen sofort mah­nen
  • Mah­n­we­sen über­prüfen
  • Bei erfol­glos­er Mah­nung: gerichtlich­es Mah­n­ver­fahren
  • Externes Forderungsinkas­so (Inkas­soun­ternehmen)
  • Zahlungsver­hal­ten der Kun­den überwachen und doku­men­tieren
  • Zahlungsaus­fälle bei Kun­den durch Bonität­sprü­fung ver­mei­den
  • Fac­tor­ing
  • Sicherung­sein­be­halte durch Gewährleis­tungs­bürgschaften ablösen
  • Absatz­fi­nanzierung über die Bank

Eigenkap­i­tal

  • Pri­vatein­la­gen (pri­vate Reser­ven)
  • Ein­forderung ausste­hen­der Ein­la­gen
  • Pri­va­tent­nah­men (Leben­shal­tungskosten) auf Min­dest­maß reduzieren
  • Beiträge zur Alter­ver­sorgung über­prüfen
  • Beiträge zur Handw­erk­erpflichtver­sicherung reduzieren (Befreiung von der Ver­sicherungspflicht wegen Ger­ingfügigkeit oder Erfül­lung der Pflichtver­sicherungszeit, handw­erk­lich­er Neben­be­trieb, einkom­men­gerechter Beitrag)
  • Vorüberge­hende Stil­l­le­gung oder evtl. Kündi­gung von Lebensver­sicherun­gen
  • Kranken­ver­sicherung auf Einsparungsmöglichkeit­en über­prüfen
  • Spar­beiträge (Baus­parkasse etc.) vorüberge­hend unter­brechen
  • Spenden, Mit­glieds­beiträge etc. über­prüfen und ggf. ver­min­dern oder ver­mei­den
  • Auf­nahme neuer Gesellschafter (z. B. stille Beteili­gung, Kap­i­tal­beteili­gungs­ge­sellschaft)

Langfristige Kred­ite

  • Auf­nahme von Kred­iten von Ver­wandten oder Bekan­nten
  • Umschul­dung über­höhter kurzfristiger Verbindlichkeit­en
  • (z. B. mit LfA-Kon­so­li­dierungs­dar­lehen)
  • Vere­in­barung ein­er Tilgungsaus­set­zung bei Dar­lehen
  • Auf­fang­dar­lehen (z. B. bei zu kurz­er Laufzeit öffentlich­er Dar­lehen)
  • Tilgungsstreck­ung
  • Über­prü­fung der Zinssätze
  • Bei Finanzierung notwendi­ger Neuin­vesti­tio­nen Tilgungs­frei­jahre vere­in­baren
  • (z. B. bei öffentlichen Dar­lehen)

Kurzfristige Verbindlichkeit­en

  • Erhöhung des Betrieb­smit­telkred­its (z. B. Kon­toko­r­ren­trah­men)
  • Zahlungs­fris­ten bei Rech­nun­gen (z. B. von Liefer­an­ten) so weit wie möglich aus­nutzen
  • Vorteil­hafte Zahlungsart wählen (z. B. Scheck-Wech­sel-Ver­fahren, Wech­sel, Scheck)
  • Zahlung drin­gen­der Verpflich­tun­gen in Rat­en
  • Konkrete Vere­in­barun­gen mit Haupt­gläu­bigern tre­f­fen (z. B. Raten­zahlung)
  • Ver­hält­nis zu Kle­ingläu­bigern regeln (Insol­ven­zantrag ver­hin­dern!)
  • Ver­gle­ich mit Gläu­bigern vere­in­baren (not­falls gegen Besserungss­chein)

Aufwen­dun­gen

  • Möglichkeit­en zur Min­derung von Per­son­alkosten aus­loten
  • Frei­willige Leis­tun­gen und Son­derzahlun­gen an Mitar­beit­er über­prüfen
  • Über­stun­den abbauen statt auszahlen
  • Her­ab­set­zung von Steuer­vo­rauszahlun­gen
  • Steuerzahlun­gen stun­den lassen
  • Kri­tis­che Über­prü­fung sämtlich­er Aufwen­dun­gen und ggf. Reduzierung

Erlöse

  • Begonnene Aufträge möglichst schnell fer­tig stellen
  • Restar­beit­en und Rekla­ma­tio­nen bei einzel­nen Aufträ­gen zügig erledi­gen
  • Mar­ket­ing­maß­nah­men

Anmerkun­gen: Die oben aufge­führten Maß­nah­men dienen, um kurzfristige Liq­uid­ität­sen­g­pässe zu über­brück­en. Es ist hier­bei darauf hinzuweisen, dass diese Maß­nah­men kurzfristig zur Liq­uid­itätsverbesserung führen, jedoch langfristig andere Mit­tel und Wege bedacht wer­den soll­ten.

Rücklagen

Das Bilden von Rück­la­gen ist in Zeit­en möglich­er Eng­pässe neben der Liq­uid­itätsverbesserung eine weit­ere Option, um die Exis­tenz von Unternehmen zu sich­ern.

Rück­la­gen = Pas­siv­posten + Bestandteile des Eigenkap­i­tals.

Es kann zwis­chen offe­nen und stillen Rück­la­gen unter­schieden wer­den.

Offene Rück­la­gen = wer­den in der Bilanz offen aus­gewiesen und dür­fen grund­sät­zlich den steuer­lichen Gewinn nicht min­dern. Sie müssen steuer­lich dem Eigenkap­i­tal hinzugerech­net wer­den.

Stille Rück­la­gen (bzw. stille Reser­ven) = wer­den durch Veräußerung oder Ent­nahme des Wirtschaftsgutes oder durch Betrieb­sveräußerung oder Betrieb­sauf­gabe aufgedeckt. Entste­hung eines steuerpflichti­gen Gewinn muss i.H.d. Betrages, um den das Veräußerungsent­gelt oder der Teil­w­ert den Buch­w­ert des WG im Zeit­punkt der Veräußerung oder Ent­nahme über­steigt. Zur ein­er Aufdeck­ung (Real­isierung) stiller Reser­ven kommt es bei Ent­nah­me­hand­lun­gen oder bei Betriebsaufgabe/Betriebsveräußerung.

Wieviel Rück­la­gen sollte man haben?

Für Pri­vat­per­so­n­en gilt die Faus­tregel, dass man min­destens 3 Net­tomonat­seinkom­men zurück­le­gen sollte. Bei Unternehmen hinge­gen ist die Frage nicht so ein­fach zu beant­worten. Hier kommt es darauf an, ob du vom Geset­zge­ber zu ein­er bes­timmten Summe verpflichtet bist oder ob du frei­willige Rück­la­gen bilden kannst. Eine pauschal richtige Summe gibt es also hier nicht. Du soll­test jedoch prüfen, ob du für Steuer und Investi­tio­nen Geld zurück­le­gen musst.

Unterschied Rücklagen und Rückstellungen

Unterschied Rücklagen und Rückstellungen

Rück­la­genRück­stel­lun­gen
Bilanz­seite•Offene Rück­la­gen: Eigenkap­i­tal•Fremd­kap­i­tal
All­ge­meine Infos•Bil­dung nach Vor­gaben des Geset­zes oder nach Unternehmenssatzung

•Wer­den genutzt, um eventuelle Ver­luste vorzubeu­gen (nicht bekan­nt, ob über­haupt Ver­lust ein­treten wird)

•Sollen Unternehmen helfen, kün­ftige Zahlun­gen zu sich­ern und Div­i­den­den­zahlun­gen kon­stant hal­ten zu kön­nen

•Bil­dung ein­er Rück­lage = Erhöhung des Eigenkap­i­tals ohne den Gewinn zu min­dern

•Stellen Aufwand dar & bee­in­flussen damit den Jahres­gewinn, der gemindert wird

•Rück­stel­lun­gen wer­den gebildet, wenn man zukün­ftige finanzielle Ver­luste und Verbindlichkeit­en aus­gle­ichen will

•Bei der Bil­dung wird von einem sicheren Ein­treten ein­er Verbindlichkeit aus­ge­gan­gen

•Bil­dung von Rück­stel­lun­gen = Deck­ung von kün­fti­gen Verbindlichkeit­en

Verpflich­tung•Ja (Kap­i­talge­sellschaften, je nach Gesetz und Satzung)•Sobald die Sit­u­a­tion es erfordert
Fes­ter Zweck•Zwecks­frei•Zwecks­ge­bun­den
Auswirkung bei Erfolg•Erfol­gsneu­tral•Gewin­n­min­imierend

 

Ein Tipp vom Steuer­ex­perten: Ver­suchen sie Steuern einzus­paren. Diese einges­parten Steuern, kön­nen sie als Rück­lage ver­wen­den. Viele Regierun­gen stellen bere­its geeigneten Maß­nah­men zur Ver­fü­gung wie beispiel­sweise der Fristver­längerung für Vors­teuerzahlun­gen (Mal­ta).

Sie brauchen Hil­fe?
Wir sind Experten  im inter­na­tionalen Steuer­recht und helfen Ihnen gerne aus. Schreiben Sie uns ein­fach: info@drwerner.com oder rufen Sie uns an +356 213 777 00.

Wir freuen uns auf Sie.

About Philipp Sauerborn

In 2005, Philipp Sauer­born joined the firm of St. Matthew in Lon­don, one of the lead­ing Ger­man account­ing firms in Eng­land renowned for its exper­tise in cor­po­rate, com­mer­cial and tax law, as a depart­ment head. After three years, he was a part­ner and man­ag­ing direc­tor.
Towards the end of 2011, he decid­ed to move to Mal­ta, where he first worked at inter­na­tion­al law firms and con­sul­tan­cies in an employed and con­sult­ing capac­i­ty. Since the begin­ning of 2013, he has been a senior employ­ee at Dr. Wern­er & Part­ner. Mr. Sauer­born is cur­rent­ly com­plet­ing his ADIT ‑Advanced Diplo­ma in Inter­na­tion­al Tax.

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