Was Sie über Security Token Offerings (STOs) in Malta wirklich wissen müssen

Einleitung

Zuerst sei ein­mal darauf hingewiesen, dass der Begriff Secu­ri­ty Token Offer­ingSTO ein Über­be­griff ist und der Ver­such, diesen Begriff zu entschlüs­seln, manch­mal völ­lig unmöglich sein kann.

STOs geben Ihnen Eigen­tum oder einen Teil davon an einem Ver­mö­genswert oder an einem Unternehmen. Also was zeich­net einen STO dann eigentlich aus? Der wichtig­ste Unter­schied ist die genutzte Tech­nolo­gie.

Ein STO hat die gle­ichen Eigen­schaften wie ein Ini­tial Pub­lic Offer­ing, allerd­ings die Vari­a­tio­nen der MiFID-Instru­mente.

Mal­ta hat einen neuen Geset­zes­rah­men erlassen, der im Wesentlichen aus drei Geset­zen beste­ht: dem Mal­ta Dig­i­tal Inno­va­tion Author­i­ty Act (der “MDIA”-Act), dem Inno­v­a­tive Tech­nol­o­gy Arrange­ment and Ser­vices Act (der “ITAS”-Act) und dem Vir­tu­al Finan­cial Assets Act (der “VFA”-Act). STOs fall­en unter den Invest­ment Ser­vices Act (Mal­ta) und die Tech­nolo­gie darin unter den Mal­ta Dig­i­tal Inno­va­tion Author­i­ty (MDIA) Act.O

Definition von Security Token Offering (STO)?

STOs sind der ‘Prozess der Anlage von Fonds, die auf der Blockchain das Bruchteil­seigen­tum (frac­tion­al own­er­ship) unter anderem an realen Ver­mö­genswerten wie Anlei­hen, Aktien und Immo­bilien darstellen, und die auf der DLT-Tech­nolo­gie basieren.‘

Nicht möglich ist hinge­gen zu definieren, dass sie auf Smart Con­tracts basieren, und zwar aus diesem Grund: Man kann einen Token für sein eigenes Ökosys­tem erstellen, was kein Smart Con­tract ist und trotz­dem einem STO ähneln kann. Dies ist ver­gle­ich­bar mit der Art und Weise, wie tra­di­tionelle Anla­gen durchge­führt wer­den. Wer­den die Papier­doku­mente durch einen neuen Token erset­zt, benöti­gen Sie nicht unbe­d­ingt einen Smart Con­tract.

Secu­ri­ty-Token befind­en sich auf der Blockchain und ermöglichen es dem Besitzer, Gel­drechte zu haben. Die Tokenisierung bietet das Eigen­tum an einem Basiswert und wird daher nicht als Util­i­ty-Token betra­chtet. Util­i­ty-Token kön­nen von STOs insofern unter­schieden wer­den, als sie haupt­säch­lich für den exk­lu­siv­en Kauf von Waren oder Dien­stleis­tun­gen auf ein­er Plattform/einem Sys­tem ver­wen­det wer­den.

Warum Malta STO-freundlich ist…

Auf dem Mal­ta Blockchain Sum­mit 2018 sagte der mal­te­sis­che Pre­mier­min­is­ter Joseph Mus­cat, dass Mal­ta „für die Blockchain das Land der Möglichkeit­en” sei. Mal­ta hat ver­sucht, ein robustes kryptofre­undlich­es Rah­men­werk zu schaf­fen, das in erster Lin­ie Rechtssicher­heit und Anlegerschutz gewährleis­tet. In diesem Zusam­men­hang hat Mal­ta neue Meth­o­d­en zur Reg­ulierung der Blockchain (DLT)-Technologie einge­führt.

Bere­its im Novem­ber 2018 ver­ab­schiedete das mal­te­sis­che Par­la­ment hierzu drei sehr wichtige Geset­ze und schuf damit das weltweit erste rechtliche Rah­men­werk. Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass die Mit­telmeerin­sel angesichts der Weit­sicht und Ini­tia­tive Mal­tas Regierung zu Recht zur „Blockchain Island“ getauft wurde. Mal­ta hat seine eigene Iden­tität und konzen­tri­ert sich auf drei zen­trale Prinzip­i­en: Mark­t­in­tegrität, Ver­brauch­er­schutz und Branchen­schutz.

Daher kann man mit Sicher­heit sagen, dass Mal­ta über einen unternehmensfre­undlichen Recht­srah­men ver­fügt, der den gesamten „Ober­be­griff“ der Kryp­towährun­gen und die tra­di­tionellen „Finanzin­stru­mente“ umfasst.

Inner­halb der europäis­chen Recht­sor­d­nung, in der die Anleger das Ziel des den Token-emit­tieren­den Unternehmens sind, würde der Secu­ri­ty-Token in der Regel als Secu­ri­ty gel­ten, wenn er gren­zen­los han­del­bar und damit kap­i­tal­mark­t­fähig ist. In diesem Zusam­men­hang wäre die EU-Prospekt-Richtlin­ie (Richtlin­ie 2003/71/EG des Europäis­chen Par­la­ments und des Rates vom 4. Novem­ber 2003 betr­e­f­fend den Prospekt, der beim öffentlichen Ange­bot von Wert­pa­pieren oder bei deren Zulas­sung zum Han­del zu veröf­fentlichen ist, und zur Änderung der Richtlin­ie 2001/34/EG.) anwend­bar.

Das öffentliche Ange­bot solch­er Token in Mal­ta kann erfol­gen, wenn ein Wert­pa­pier­prospekt (secu­ri­ties prospec­tus) erstellt und von der MFSA genehmigt wird, der vor dem Ange­bot veröf­fentlicht wer­den muss.

Das Ver­fahren zur Ein­führung eines Secu­ri­ty-Token-Offer­ings in Mal­ta sieht vor, dass der Emit­tent bei der MFSA einen Antrag stellt, und poten­zielle Emit­ten­ten verpflichtet sind, der zuständi­gen Behörde Unter­la­gen zur Genehmi­gung vorzule­gen.

STOs im Hinblick auf das VFA-Gesetz

Mal­ta will mit sein­er Ini­tia­tive eine Führungsrolle übernehmen und als erster einen rechtlichen Schritt in dieser Größenord­nung wagen. Die Annahme ist, dass alle anderen Län­der früher oder später fol­gen wer­den.

Das VFA-Gesetz ist ein inno­v­a­tives Gesetz, das die Erstaus­gabe von Vir­tu­al Finan­cial Assets regelt und deren Lizen­zierungsvo­raus­set­zun­gen beschreibt. Er trägt die Beze­ich­nung Vir­tu­al Finan­cial Assets Act, 2018. Im Rah­men dieses Geset­zes sind STOs wahrschein­lich Finanzin­stru­mente, wenn der Finanzin­stru­ment-Test durchge­führt wer­den muss.

Somit wür­den STOs derzeit nicht in den Anwen­dungs­bere­ich des oben genan­nten Geset­zes fall­en und somit (wie bere­its angedeutet) den Bes­tim­mungen der tra­di­tionellen Reg­ulierung unter­liegen.

Die Bedeu­tung eines Vir­tu­al Finan­cial Asset gemäß dem mal­te­sis­chen Recht­srah­men wird in einem „neg­a­tiv­en For­mat“ ermit­telt. Somit ist ein VFA eine Form der dig­i­tal­en Aufze­ich­nung, die WEDER elek­tro­n­is­ches Geld, NOCH EIN Finanzin­stru­ment und ODER ein virtueller (rein­er Util­i­ty) Token ist.

Wertpapierprospekt

Die EU-Prospekt-Richtlin­ie legt die Verpflich­tung fest, beim Ange­bot des Secu­ri­ty-Tokens einen Wert­pa­pier­prospekt zu veröf­fentlichen.

Diese Verpflich­tung gilt, wenn das Ange­bot für die Öffentlichkeit bes­timmt ist. Wird es Fam­i­lie und Fre­un­den oder Inve­storen ange­boten, die bere­its eine beste­hende Beziehung haben, dann wäre ein Prospekt nicht erforder­lich.

Gemäß dem Com­pa­nies Act (Kapi­tel 386 der Geset­ze von Mal­ta): Für die Öffentlichkeit“ umfasst nicht Wert­pa­piere, die nur qual­i­fizierten Anlegern zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, ein Ange­bot, das weniger als 150 nicht qual­i­fizierten Anlegern inner­halb der EU und/oder des EWR zur Ver­fü­gung gestellt wird, wenn das Min­destange­bot min­destens 100.000 EUR pro Ange­bot beträgt und der Nen­nwert jed­er einzel­nen Aktie min­destens 100.000 EUR beträgt, oder nicht inner­halb eines Zeitraums von 12 Monat­en, wenn das Ange­bot von Gesamt­pa­pieren inner­halb der EU und des EWR inner­halb eines Zeitraums von 12 Monat­en 5.000.000 € nicht über­schre­it­et oder wenn ein Ange­bot von Nicht­div­i­den­den­werten durch ein Kred­itin­sti­tut in der EU und im EWR inner­halb eines Zeitraums von 12 Monat­en weniger als 75.000.000 € beträgt.

Wenn man die Zulas­sung zum Han­del auf einem geregel­ten Markt beantragt, kann man von dieser Verpflich­tung befre­it wer­den und würde somit in den Genuss des ein­heitlichen Pass­es kom­men.

Der Wert­pa­pier­prospekt muss alle Infor­ma­tio­nen enthal­ten, die es den Anlegern ermöglichen, die Ver­mö­genswerte und deren Verbindlichkeit­en, die finanzielle Sta­bil­ität, die Per­spek­tiv­en des Emit­ten­ten und die damit ver­bun­de­nen Rechte zu beurteilen.

Fazit

Im Wesentlichen sind STOs Token auf der Blockchain, die dem Eigen­tümer solch­er STOs bes­timmte Rechte ein­räu­men. Dies ist also der wesentliche Unter­schied zwis­chen STOs und Util­i­ty-Token. Die EU-Prospek­trichtlin­ie gilt für diese Token, und die Pub­lika­tion eines Wert­pa­pier­prospek­ts wird hier­für – mit eini­gen Aus­nah­men – als verpflich­t­end vorge­se­hen. Aus der Sicht der mal­te­sis­chen Recht­sprechung ver­fügt Mal­ta über einen unternehmensfre­undlichen Recht­srah­men und befind­et sich in ein­er europäis­chen Recht­sprechung.

Inner­halb ein­er solchen Recht­sor­d­nung, in der die Anleger das Ziel des Token-emit­tieren­den Unternehmens sind, würde der Secu­ri­ty-Token in der Regel als Secu­ri­ty gel­ten, wenn er gren­zen­los han­del­bar und damit kap­i­tal­mark­t­fähig ist.

Haf­tungsauss­chluss*

Der obige Artikel basiert lediglich auf unab­hängi­gen Recherchen von Dr. Wern­er und Part­ner und kann keine Form der Rechts­ber­atung darstellen. Wenn Sie sich mit einem unser­er Vertreter tre­f­fen möcht­en, um weit­ere Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, kon­tak­tieren Sie uns bitte für eine Ter­min­vere­in­barung.

 

About Dr. Jörg Werner

Dr. jur. Jörg Wern­er, born 27 May 1971, attend­ed the law school of the Uni­ver­si­ty of Leipzig and passed his first state exam­i­na­tion in the State of Sax­ony in 1996. After suc­cess­ful­ly com­plet­ing his manda­to­ry legal intern­ship, he suc­cess­ful­ly passed the sec­ond state exam­i­na­tion of the State of Sax­ony-Anhalt in 1998 and was admit­ted to the bar and began to prac­tice as a Ger­man attor­ney (Recht­san­walt) before the court of Magde­burg the same year. He worked as an attor­ney at the Law Offices of Prof. Dr. Fre­und & Kol­le­gen until he formed the firm of Wrede & Wern­er. He was also admit­ted to prac­tice before the Supe­ri­or Court of Naum­burg. In 2001, he moved the firm’s offices to Cen­tral Berlin, where he was admit­ted to prac­tice before the Courts of Berlin. Dr. jur. Jörg Wern­er then com­plet­ed his doc­tor­al stud­ies at the Uni­ver­si­ty of Ham­burg and grad­u­at­ed as a Dok­tor der Rechtswis­senschaften (Doc­tor of Laws).

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