Wesentliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Direktors

Einführung

Wie viele von Ihnen wis­sen, wer­den Unternehmen von Gesellschaftern gebildet und gegrün­det, was jedoch nicht bedeutet, dass das Unternehmen von seinen Gesellschaftern geführt und ver­wal­tet wird. Im Gegen­teil, jedes Unternehmen hat seine Führungskräfte, die jew­eils unter­schiedliche Rollen, Ver­ant­wortlichkeit­en und Befug­nisse für die Leitung und Ver­wal­tung des Unternehmens haben. Die ersten Direk­toren ein­er Gesellschaft wer­den von den Zeich­n­ern des Gesellschaftsver­trags (Mem­o­ran­dum of Asso­ci­a­tion – MaAs) ernan­nt.

Die nach­fol­gen­den Direk­toren wer­den dann gemäß den Klauseln in der Satzung (Arti­cles of Asso­ci­a­tion) ernan­nt, oder, wenn es keine Satzung gibt oder diese Satzung in dieser Angele­gen­heit schweigt, wer­den sie durch einen ordentlichen Beschluss der Gesellschaft in ein­er Hauptver­samm­lung (Gen­er­al Meet­ing) ernan­nt. In den meis­ten Fällen haben Unternehmen Einzelper­so­n­en als Direk­toren, jedoch sieht der Com­pa­nies Act die Möglichkeit eines „Cor­po­rate Direc­tor“ vor.

Wer kann zum Direktor ernannt werden?

Vielle­icht fra­gen Sie jet­zt “was sind die Voraus­set­zun­gen für die Ernen­nung eines Direk­tors?”. Rechtlich gese­hen gibt es keine beson­deren Anforderun­gen an die Ernen­nung eines Direk­tors eines Unternehmens. Allerd­ings ist zu beacht­en, dass das Szenario bei börsen­notierten Unternehmen anders ist.

Bei börsen­notierten Unternehmen muss ein Direk­tor über Branchenken­nt­nisse ver­fü­gen, die er durch Qual­i­fika­tio­nen oder frühere Erfahrun­gen erwor­ben hat.

Der Com­pa­nies Act sieht keine Def­i­n­i­tion des Begriffs „Direk­tor“ vor, gibt aber an, was der Begriff bein­hal­tet, und legt gemäß Artikel 136A auch fest, was die all­ge­meinen Pflicht­en der Direk­toren sind.

Darüber hin­aus enthält das Gesetz keine voll­ständi­ge Liste der Auf­gaben und besagt indi­rekt, dass der Gesellschaftsver­trag oder die Satzung sowie das Gesetz selb­st und jedes andere Gesetz den Direk­toren andere Auf­gaben über­tra­gen kön­nen.

Befugnisse der Direktoren

Einige mögen argu­men­tieren, dass die weitre­ichen­den Ermessensspiel­räume, die den Direk­toren eingeräumt wer­den, für ein Unternehmen von Vorteil sind, da diese Befug­nisse Effizienz und rei­bungslos­es Man­age­ment ermöglichen. Einige mögen die Befug­nisse der Direk­toren jedoch aus ein­er anderen Per­spek­tive betra­cht­en, d.h. solche weitre­ichen­den Ermessensspiel­räume kön­nen zu Macht­miss­brauch führen.

Die Direk­toren sind nicht nur für die Führung der Gesellschaft zuständig, son­dern kön­nen auch einen Geschäfts­führer oder Auss­chüsse ernen­nen, die aus einem oder mehreren der beste­hen­den Direk­toren beste­hen, um bes­timmte Transak­tio­nen zu ver­wal­ten.

Lassen Sie uns die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Direktors in einige Punkte unterteilen:

  • Eine der Haup­tauf­gaben der Direk­toren ist es, in gutem Glauben im besten Inter­esse der Gesellschaft zu han­deln. Diese Pflicht ist von größter Bedeu­tung, da die Direk­toren keine Pflicht­en gegenüber den Gesellschaftern haben, son­dern gegenüber der Gesellschaft selb­st, sie sind durch treuhän­derische Pflicht­en an ihre Unternehmen gebun­den. Diese Pflicht, in gutem Glauben zu han­deln, kann nicht stark genug betont wer­den. Ihre per­sön­lichen Inter­essen dür­fen niemals in die Ver­wal­tung und Leitung des Unternehmens ein­be­zo­gen wer­den.
  • Die einzige Aus­nahme von dieser Regel ist, wenn sich ein Unternehmen in der Insol­venz befind­et, in der die Direk­toren ihre Pflicht­en den Gläu­bigern und nicht der Gesellschaft schulden wür­den.
  • Die Ver­ant­wor­tung der Direk­toren liegt haupt­säch­lich in der Leitung und ord­nungs­gemäßen Ver­wal­tung und all­ge­meinen Auf­sicht über das Unternehmen. Die Direk­toren sind durch den Com­pa­nies Act selb­st befugt, alle Angele­gen­heit­en der Gesellschaft zu regeln, außer allem, was durch den Com­pa­nies Act oder durch Bes­tim­mungen in der Satzung einen Beschluss der Gesellschafter auf ein­er Hauptver­samm­lung erfordert.
  • Ein Direk­tor darf keinen Gewinn aus sein­er Posi­tion ziehen und muss immer seine per­sön­lichen Inter­essen bei­seit­elegen, um nicht mit denen des Unternehmens in Kon­flikt zu ger­at­en.
  • Die Direk­toren sind für jede Hand­lung oder Unter­las­sung ver­ant­wortlich, die sich aus ihren Hand­lun­gen oder Hand­lun­gen eines ihrer Beauf­tragten ergibt, und haften gesamtschuld­ner­isch für jede unangemessene Leis­tung oder jede Ver­let­zung ein­er ihnen zugewiese­nen Pflicht.
  • Der Com­pa­nies Act verpflichtet die Direk­toren, ihre Auf­gaben mit einem gewis­sen Maß an Vor­sicht, Sorgfalt und Kom­pe­tenz zu erfüllen.
  • Bes­timmte spez­i­fis­che Auf­gaben der Direk­toren umfassen, sind aber nicht beschränkt auf:
    • Ein­beru­fung von Vor­standssitzun­gen und Hauptver­samm­lun­gen;
    • Ein­re­ichen von Jahres­bericht und anderen Doku­menten;
    • Buch­führung

Betrügerisches vs. Unrechtmäßiges Handeln

Nun, wir haben fest­gestellt, dass Direk­toren für jede Hand­lung oder Unter­las­sung haft­bar gemacht wer­den, die von ihnen oder ihren Beauf­tragten vorgenom­men wird, aber wie stellt man fest, ob Direk­toren im Wesentlichen falsch liegen oder nicht?

Der Com­pa­nies Act unter­schei­det in diesem Zusam­men­hang zwis­chen betrügerischem und unrecht­mäßigem Han­deln. Unrecht­mäßiges Han­deln entste­ht durch Fahrläs­sigkeit und man­gel­nde Erfahrung und Fähigkeit­en; betrügerisches Han­deln entste­ht jedoch durch die Absicht, die Gläu­biger des Unternehmens oder andere Gläu­biger zu betrü­gen.

Wenn man sich die mal­te­sis­che Recht­sprechung anse­hen müsste, um die Ver­ant­wor­tung und Haf­tung der Direk­toren bess­er zu ver­ste­hen, wäre das per­fek­te Beispiel der Price Club Case, der das erste Mal war, dass die Gerichte Mal­tas auf die Bes­tim­mungen des betrügerischen Han­dels zurück­grif­f­en, obwohl die Direk­toren ver­sucht­en, auf man­gel­nde Erfahrung zu plädieren.

Fazit

Auch wenn es den Anschein hat, dass die gesamte Geschäft­stätigkeit der Gesellschaft haupt­säch­lich von den Direk­toren geleit­et und ver­wal­tet wird, gibt es immer noch Ein­schränkun­gen in Bezug auf die Befug­nisse der Direk­toren. Die Direk­toren müssen sich­er­stellen, dass sie sich immer inner­halb ihrer Befug­nisse bewe­gen, unab­hängig davon, ob diese Befug­nisse sich aus dem Com­pa­nies Act oder aus der Satzung oder aus einem anderen Gesetz ergeben.

 

About Dr. Jörg Werner

Dr. jur. Jörg Wern­er, born 27 May 1971, attend­ed the law school of the Uni­ver­si­ty of Leipzig and passed his first state exam­i­na­tion in the State of Sax­ony in 1996. After suc­cess­ful­ly com­plet­ing his manda­to­ry legal intern­ship, he suc­cess­ful­ly passed the sec­ond state exam­i­na­tion of the State of Sax­ony-Anhalt in 1998 and was admit­ted to the bar and began to prac­tice as a Ger­man attor­ney (Recht­san­walt) before the court of Magde­burg the same year. He worked as an attor­ney at the Law Offices of Prof. Dr. Fre­und & Kol­le­gen until he formed the firm of Wrede & Wern­er. He was also admit­ted to prac­tice before the Supe­ri­or Court of Naum­burg. In 2001, he moved the firm’s offices to Cen­tral Berlin, where he was admit­ted to prac­tice before the Courts of Berlin. Dr. jur. Jörg Wern­er then com­plet­ed his doc­tor­al stud­ies at the Uni­ver­si­ty of Ham­burg and grad­u­at­ed as a Dok­tor der Rechtswis­senschaften (Doc­tor of Laws).

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